Das Leben wieder spüren!

Münster (ukm/lie). Trotz Hirntumor mit dem Rennrad durch die Pyrenäen? Monika Edelkötter hat gewagt, was sich viele Gesunde nicht zutrauen. „Erst hatte ich Zweifel, ob das klappt“, so die Münsteranerin. „Aber ich habe es geschafft!“ Bei der Info-Veranstaltung des UKM Hirntumorzentrums anlässlich des Welthirntumortags möchte sie nun gemeinsam mit anderen Betroffenen von ihren ganz persönlichen Erfahrungen und Erfolgserlebnissen berichten.

 

Vor drei Jahren war die inzwischen 51-Jährige beim Joggen mit ihrem Freund zusammengebrochen.  „Erst fing meine rechte Hand an zu kribbeln, dann war der ganze Arm wie gelähmt. Plötzlich konnte ich nicht mehr sprechen“, erinnert sie sich an den beängstigenden Moment. „Es hat nur ein paar Minuten gedauert.“ Doch als die Ärzte ihr nach ersten Untersuchungen mitteilten, dass ein Glioblastom, ein bösartiger Hirntumor, die Ursache war, veränderte das von jetzt auf gleich ihr Leben. „Die Diagnose „Hirntumor“ reißt vielen zunächst den Boden unter den Füßen weg. Man hat für diese Situation kein Handlungsschema und fühlt sich deswegen oft ausgeliefert, hilflos und unsicher““, weiß Priv.-Doz. Dr. Dorothee Wiewrodt, Neurochirurgin und Psychoonkologin im UKM Hirntumorzentrum. Zu den mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung verbundenen Ängsten und Unsicherheiten komme die Furcht vor der Operation, körperlichen Einschränkungen, epileptischen Anfällen oder auch Persönlichkeitsveränderungen.

Auch Monika Edelkötter konnte nach einer Wach-OP, bei der der Tumor weitestgehend entfernt worden war, zunächst nicht gehen und nicht richtig sprechen. Verzweifeln kam für sie trotzdem nicht in Frage. Während ihrer Behandlung am UKM (Universitätsklinikum Münster) erfuhr sie von den „Begleittherapien für Hirntumorpatienten“, zu denen neben Gesprächs- auch Kunst- und Sportangebote zählen. Besonders das Persönliche Trainingsprogramm von Ralf Brandt, Sportwissenschaftler und Dipl. Trainer, reizten die sportbegeisterte Frau. Parallel zur noch laufenden ambulanten Radiochemotherapie begann sie, ein- bis zweimal wöchentlich intensiv zu trainieren. Im Mittelpunkt standen Ausdauer, Kraft und Koordination. „Neben den Fortschritten im Trainingist eine kontinuierliche Trainingskontrolle, z.B. mittels Schrittzähler wichtig“, betont Brandt. „Das Training soll heraus-, aber nicht überfordern.“  

Trotz gebliebener Einschränkungen ist Monika Edelkötter inzwischen wieder fit, und bei den regelmäßigen Nachkontrollen ist vom Tumor fast nichts mehr in den MRT-Aufnahmen zu sehen. Die Trainingserfolge halfen ihr Selbstvertrauen und Lebensqualität wiederzugewinnen und ermutigten sie die 4-wöchige Tour mit Rennrad und Zelt durch die Pyrenäen zu wagen. „Bis zu 80 km Fahrrad bin ich am Tag durch die Berge gefahren! Beim Radfahren bin ich so leicht, es geht so einfach und so schnell! Da kann ich das Leben wieder spüren!“

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